Ein Timelapse (Zeitraffer) ist eine Aufnahmetechnik, bei der Bilder in festgelegten Intervallen fotografiert und anschließend als Video in normaler Geschwindigkeit abgespielt werden. Dadurch werden langsame Prozesse – wie Sonnenuntergänge, Wolkenbewegungen oder Baustellenfortschritte – in wenigen Sekunden sichtbar und erzeugen einen faszinierenden visuellen Effekt.
Wie funktioniert ein Timelapse?
Das Prinzip ist einfach: Statt 25 oder 30 Bilder pro Sekunde (wie bei normalem Video) wird beispielsweise nur alle 5 Sekunden ein Foto aufgenommen. Werden diese Fotos dann mit 25 Bildern pro Sekunde abgespielt, wird die Zeit um den Faktor 125 beschleunigt. Eine Stunde Realzeit wird zu knapp 30 Sekunden Video.
Die Formel: Aufnahmeintervall × Framerate = Beschleunigungsfaktor
Timelapse-Arten
Statisches Timelapse
Die Kamera steht fest auf einem Stativ. Klassisch für Sonnenauf- und -untergänge, Wolkenbewegungen oder Stadtpanoramen.
Motion Timelapse
Die Kamera bewegt sich während der Aufnahme kontrolliert – meist über einen motorisierten Slider oder Schwenkkopf. Das Ergebnis: Ein Timelapse mit sanfter Kamerabewegung.
Day-to-Night Timelapse
Die Aufnahme erstreckt sich von der goldenen Stunde über den Sonnenuntergang bis in die Nacht. Diese Holy-Grail-Timelapses erfordern automatische Belichtungsanpassung und gelten als Königsdisziplin.
Baufortschritts-Timelapse
Über Wochen oder Monate wird ein Bauprojekt dokumentiert. Wetterfeste Kameras nehmen in regelmäßigen Abständen Bilder auf. Das Ergebnis zeigt den gesamten Bau in wenigen Minuten.
Technische Voraussetzungen
Equipment
- Stabiles Stativ: Jede Erschütterung ruiniert das Timelapse
- Kamera mit Intervallometer: Internes oder externes Steuergerät für automatische Auslösung
- ND-Filter: Für korrekte Belichtung bei hellem Licht und längere Verschlusszeiten
- Ausreichend Akkus und Speicher: Ein mehrstündiges Timelapse erzeugt tausende Fotos
Kameraeinstellungen
- Manueller Modus: Automatik führt zu Belichtungsflickering
- Manueller Fokus: Autofokus kann zwischen Frames neu fokussieren
- RAW-Format: Maximale Flexibilität beim Color Grading in der Postproduktion
- Intervall: Je nach Motiv – 1–2 Sek. für schnelle Wolken, 10–30 Sek. für Sonnenuntergänge, Minuten bis Stunden für Bauprojekte
Einsatzbereiche in der Videoproduktion
Timelapse-Sequenzen sind beliebte B-Roll-Elemente:
- Imagefilme: Geschäftiges Treiben im Büro, Produktionsprozesse, Tagesablauf
- Event-Videos: Auf- und Abbau einer Veranstaltung in Sekunden
- Corporate Videos: Bau eines neuen Standorts, Teamwachstum
- Social Media: Kurze, fesselnde Clips für Instagram und TikTok
- Immobilien: Tageslichtwechsel eines Objekts
Timelapse in der Postproduktion
Die Einzelbilder werden in Software wie Adobe Lightroom, LRTimelapse oder DaVinci Resolve zusammengefügt. Dabei können Belichtungskorrekturen, Deflicker-Algorithmen und Color Grading angewendet werden. Der Export erfolgt üblicherweise als Video in 4K-Auflösung.
Timelapse vs. Hyperlapse
Während beim Timelapse die Kamera statisch bleibt, bewegt sich beim Hyperlapse die Kamera zwischen den einzelnen Aufnahmen. Beide Techniken können kombiniert werden und liefern spektakuläre Ergebnisse.
Ein gut gemachtes Timelapse macht das Unsichtbare sichtbar – den Lauf der Zeit, den Wandel der Natur, die Dynamik des Lebens. Es ist einfach in der Grundidee, aber anspruchsvoll in der professionellen Umsetzung.