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Videografie

RAW-Format (Video)

Zuletzt aktualisiert: 2026-03-31

Das RAW-Format in der Videografie bezeichnet ein Aufnahmeformat, bei dem die Sensordaten der Kamera nahezu unverarbeitet gespeichert werden. Ähnlich wie ein RAW-Foto in der Fotografie enthält RAW-Video maximale Bildinformationen — ohne kamerainterne Kompression, Farbverarbeitung oder Schärfung. Das Ergebnis ist ein digitales Negativ, das in der Postproduktion maximale Flexibilität bietet.

RAW-Video ist der Goldstandard für hochwertige Filmproduktionen, weil es dem Coloristen in der Color Correction und im Color Grading den größtmöglichen Spielraum gibt. Überbelichtete Himmel retten, dunkle Schatten aufhellen, Farben komplett neu interpretieren — all das ist mit RAW-Material deutlich besser möglich als mit komprimierten Codecs.

Wie RAW-Video funktioniert

Der Sensor und die Bayer-Matrix

Digitale Kamerasensoren erfassen Licht über Millionen einzelner Fotodioden. Jede Diode registriert nur eine Farbe (Rot, Grün oder Blau), angeordnet in einem Muster namens Bayer-Matrix. Bei komprimierten Formaten berechnet die Kamera aus diesen Einzelwerten sofort ein fertiges Bild (Debayering) und komprimiert es.

RAW-Video speichert stattdessen die Rohwerte jeder einzelnen Fotodiode — das Debayering und die Farbberechnung geschehen erst in der Postproduktion. Das bedeutet: Sie haben Zugriff auf die gesamte Bildinformation, die der Sensor erfasst hat.

Bittiefe und Dynamikumfang

BittiefeHelligkeitsstufenDynamikumfangTypische Anwendung
8 Bit256 pro Kanalca. 6-8 BlendenstufenSocial Media, Web
10 Bit1.024 pro Kanalca. 10-12 BlendenstufenBroadcast, gehobene Produktion
12 Bit4.096 pro Kanalca. 12-14 BlendenstufenKino, Werbung
16 Bit65.536 pro Kanalca. 14-16+ BlendenstufenVFX, High-End-Kino

RAW-Video wird typischerweise in 12 oder 16 Bit aufgezeichnet. Die höhere Bittiefe bedeutet feinere Abstufungen zwischen den Farb- und Helligkeitswerten — sichtbar wird das vor allem bei sanften Verläufen wie Himmel oder Hauttönen, die ohne Banding (Streifenbildung) dargestellt werden.

RAW-Formate im Vergleich

Verschiedene Kamerahersteller verwenden unterschiedliche proprietäre RAW-Formate:

FormatHerstellerKompressionBesonderheit
REDCODE RAW (.R3D)REDWavelet, variabelSehr effizient, weit verbreitet
ARRIRAWARRIUnkomprimiert/komprimiertIndustriestandard Kino
Blackmagic RAW (.BRAW)BlackmagicTeilweise kamerainternGuter Kompromiss Qualität/Größe
Cinema DNGOffener StandardOptionalHerstellerunabhängig
Canon Cinema RAW LightCanonLeicht komprimiertKleinere Dateien als volles RAW
ProRes RAWAppleKomprimiertOptimiert für Apple-Workflow

Workflow mit RAW-Video

Der Umgang mit RAW-Material erfordert einen angepassten Workflow. Die großen Dateien stellen Anforderungen an Speicher, Rechenleistung und Organisation.

Speicher und Backup

RAW-Video erzeugt enorme Datenmengen. Ein professioneller Drehtag kann leicht mehrere Terabyte produzieren. Eine solide Backup-Strategie mit mindestens zwei Kopien auf verschiedenen Medien ist Pflicht. Viele Produktionen arbeiten mit der 3-2-1-Regel: drei Kopien, auf zwei verschiedenen Medientypen, davon eine an einem anderen Ort.

Proxy-Workflow

Weil RAW-Dateien zu groß für einen flüssigen Schnitt sind, erstellen Editoren zunächst Proxies — kleinere, komprimierte Kopien des Materials. Der Filmschnitt erfolgt mit den leichten Proxies. Erst für die finale Ausgabe und das Color Grading wird auf das originale RAW-Material verlinkt.

Software für RAW-Video

DaVinci Resolve ist die bevorzugte Software für RAW-Workflows und unterstützt nahezu alle RAW-Formate. Premiere Pro bietet ebenfalls RAW-Unterstützung, wobei manche Formate zusätzliche Plugins erfordern. Final Cut Pro arbeitet nativ mit ProRes RAW.

RAW vs. Log vs. komprimiert

Für die Wahl des Aufnahmeformats gilt eine einfache Faustregel: Je höher die Anforderungen an die Postproduktion, desto weniger komprimiert sollte das Material sein. Für Social-Media-Videos reicht komprimiertes H.264 oder H.265. Für Imagefilme und Werbespots ist ein Log-Profil oft der beste Kompromiss zwischen Qualität und Dateigröße. RAW ist die Wahl, wenn maximale Flexibilität in der Color Correction erforderlich ist — etwa bei aufwendigen VFX-Produktionen oder Kinoprojekten.

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