Depth of Field (abgekürzt DoF, deutsch: Schärfentiefe oder Tiefenschärfe) bezeichnet in der Fotografie und Videografie den Bereich vor und hinter dem fokussierten Punkt, der im Bild als scharf wahrgenommen wird. Alles außerhalb dieses Bereichs erscheint unscharf — dieser Unschärfeeffekt wird als Bokeh bezeichnet.
Schärfentiefe ist eines der mächtigsten Gestaltungsmittel in der visuellen Erzählung. Eine geringe Schärfentiefe lenkt den Blick des Betrachters auf das Wesentliche und trennt das Motiv vom Hintergrund. Eine große Schärfentiefe zeigt die gesamte Szene in all ihren Details. Die bewusste Kontrolle der Schärfentiefe unterscheidet professionelle Aufnahmen von Schnappschüssen.
Die drei Hauptfaktoren
1. Blende (Aperture)
Die Blende ist der direkteste Einflussfaktor auf die Schärfentiefe:
| Blende | Schärfentiefe | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| f/1.4 – f/2.0 | Sehr gering | Portraits, Interviews, Detailaufnahmen |
| f/2.8 – f/4.0 | Gering bis mittel | Produktvideos, Events, B-Roll |
| f/5.6 – f/8.0 | Mittel bis groß | Gruppenaufnahmen, Architektur |
| f/11 – f/16 | Sehr groß | Landschaften, Panoramen |
Je offener die Blende (kleine f-Zahl), desto geringer die Schärfentiefe. Je geschlossener (große f-Zahl), desto mehr ist scharf.
2. Brennweite
Längere Brennweiten (Teleobjektive) erzeugen bei gleichem Bildausschnitt eine geringere Schärfentiefe als Weitwinkelobjektive. Ein 85mm-Objektiv bei f/2.8 hat deutlich weniger Schärfentiefe als ein 24mm bei f/2.8 — selbst wenn der Bildausschnitt durch Abstandsänderung identisch ist.
3. Abstand zum Motiv
Je näher die Kamera am fokussierten Motiv ist, desto geringer die Schärfentiefe. Makroaufnahmen haben deshalb eine extrem geringe Schärfentiefe von oft nur wenigen Millimetern.
Schärfentiefe im Video
Rack Focus
Rack Focus (Schärfeverlagerung) ist eine klassische Filmtechnik, bei der die Schärfe während einer Einstellung von einem Motiv zu einem anderen verlagert wird. Zum Beispiel: Schärfe liegt auf einer Person im Vordergrund, dann wird auf eine Person im Hintergrund fokussiert. Rack Focus funktioniert nur bei geringer Schärfentiefe und wird häufig in Imagefilmen, Interviews und Dialogszenen eingesetzt.
Follow Focus
Bei Videoproduktionen mit geringer Schärfentiefe ist ein Follow-Focus-System nahezu unverzichtbar. Es ermöglicht dem Schärfeassistenten (Focus Puller), die Schärfe präzise auf ein sich bewegendes Motiv nachzuführen. Professionelle Kameras bieten zudem Autofokus-Systeme mit Augenerkennung, die das manuelle Schärfeziehen ergänzen.
Sensor-Größenvergleich
| Sensor | Crop-Faktor | Schärfentiefe bei f/2.8, 50mm äquivalent |
|---|---|---|
| Vollformat (Full Frame) | 1.0x | Geringste Schärfentiefe |
| Super 35 / APS-C | 1.5x | Mittel |
| Micro Four Thirds | 2.0x | Größere Schärfentiefe |
| 1-Zoll (Smartphone, Action Cam) | 2.7x | Noch größere Schärfentiefe |
| Smartphone (klein) | 5-7x | Sehr große Schärfentiefe (fast alles scharf) |
Deshalb wirken Smartphone-Videos oft "flach" — der kleine Sensor erzeugt kaum Bokeh. Der Porträtmodus von Smartphones simuliert geringe Schärfentiefe softwareseitig.
Hyperfokale Distanz
Die hyperfokale Distanz ist der Fokuspunkt, bei dem die Schärfentiefe von der halben Fokussierdistanz bis Unendlich reicht. Wer auf die hyperfokale Distanz fokussiert, maximiert die Schärfentiefe — ideal für Landschaften und Architektur. Die hyperfokale Distanz hängt von Brennweite, Blende und Sensorgröße ab und lässt sich mit Apps oder Tabellen berechnen.
Kreative Anwendung in der Videoproduktion
Geringe Schärfentiefe ist ein Kernelement des filmischen Looks. In Werbespots und Produktvideos isoliert sie das Produkt vom Hintergrund. In Portraitfotografie und Interviews trennt sie die Person vom Hintergrund und erzeugt eine dreidimensionale Wirkung. Anamorphe Objektive bieten eine besondere Schärfentiefe-Charakteristik mit ovalem Bokeh, die den klassischen Kino-Look erzeugt.
Schärfentiefe bei Drohnenaufnahmen
Bei Drohnenaufnahmen ist die Schärfentiefe durch die kleinen Sensoren und Weitwinkelobjektive typischerweise sehr groß. Nahezu alles im Bild ist scharf. Für Timelapse-Aufnahmen ist das ein Vorteil, für filmische Nahaufnahmen ein Nachteil. Neuere Drohnen mit größeren Sensoren (DJI Mavic 3 mit Micro Four Thirds) bieten hier zunehmend mehr gestalterischen Spielraum.