Ein Website-Relaunch ist eines der riskantesten SEO-Manöver, das ein Unternehmen machen kann. Wir haben in den letzten Jahren mehrere Sites übernommen, die nach einem Relaunch 60-80 Prozent ihrer Rankings verloren hatten. In allen Fällen fehlten ein bis drei Punkte aus dieser Checkliste. Wer die Liste systematisch abarbeitet, behält Rankings über den Launch hinaus oder verbessert sie sogar. Wir nutzen diese Checkliste in jedem Relaunch-Projekt unserer Webdesign-Agentur in Bielefeld, egal ob Standard-WordPress, Headless-Setup oder kompletter Tech-Stack-Wechsel.
Phase 1: Vor dem Relaunch (Wochen 1-3)
1. Aktuelle Performance dokumentieren. Search Console: durchschnittliche Klicks und Impressionen der letzten 90 Tage exportieren. SEMrush oder Ahrefs: Top-100 organische Keywords mit Position. GA4: Traffic-Quellen, Top-Pages, Conversion-Pfade. Diese Baseline ist später der Vergleichsmaßstab.
2. URL-Inventar erstellen. Vollständige Liste aller indexierten URLs aus Search Console und Screaming Frog. Wer das überspringt, vergisst später Seiten, die noch Backlinks haben.
3. Backlink-Profil sichern. Aus Ahrefs oder SEMrush: alle Domains mit Links zur Site, plus die Ziel-URLs. Diese Liste ist Pflicht für das URL-Mapping in Phase 2.
4. Top-rankende Inhalte identifizieren. Pages mit mehr als 50 monatlichen Klicks oder mehr als 500 Impressionen sind kritisch. Diese müssen im Relaunch identisch oder besser werden, nicht schlechter.
5. Content-Audit machen. Welche Seiten ranken nicht oder bringen keinen Traffic? Manche können in der neuen Struktur 301-weitergeleitet werden statt neu gebaut. Spart 30-50 Prozent Content-Aufwand.
6. Tech-Stack-Entscheidung dokumentieren. WordPress, Headless, Next.js. Diese Entscheidung beeinflusst URL-Struktur, Performance-Budget und Wartungs-Aufwand der nächsten fünf Jahre.
7. Briefing-Dokument erstellen. Ziele, Zielgruppe, Kern-Botschaft, KPIs für nach dem Launch. Ohne dieses Dokument läuft der Relaunch in alle Richtungen gleichzeitig.
Phase 2: Konzept und Mapping (Wochen 3-5)
8. URL-Mapping-Tabelle bauen. Alte URL → Neue URL → 301-Status. Jede einzelne indexierte URL muss zugeordnet werden. Wenn eine alte URL keine neue Entsprechung hat, wird sie auf die thematisch nächste neue URL gemappt, nicht auf die Startseite.
9. Neue Seitenstruktur in Wireframes festlegen. Vor dem Design steht die Struktur. Hauptnavigation, Footer, Conversion-Pfade, Interne-Link-Cluster. Wer mit Design startet, baut zweimal.
10. Heading-Hierarchie planen. Pro Seite genau eine H1, klare H2-Struktur, Long-Tail-Keywords in H3. Wer das nicht plant, hat im Launch chaotisch viele H1 und schlechte SEO-Hygiene.
11. Schema-Markup-Liste aus alter Site übernehmen. Welche Rich Results hat die Site aktuell? FAQs, Sternebewertungen, BreadcrumbList, LocalBusiness. Diese müssen in der neuen Site identisch oder erweitert sein.
12. Meta-Title und Meta-Description für jede neue URL. Vor dem Launch, nicht danach. 30-60 Zeichen Title, 120-160 Zeichen Description. Templatisierung möglich, aber pro URL individuell anpassen für Top-Pages.
Phase 3: Entwicklung (Wochen 5-9)
13. Staging-Umgebung mit noindex. Pflicht. Plus robots.txt-Block der Staging-Domain. Pflichtkontrolle vor Launch, ob Staging-noindex auf Production NICHT übernommen wird.
14. Mobile-First-Entwicklung. Google indexiert mobile zuerst. Wer Desktop-First entwickelt und mobile anpasst, hat schlechtere Core Web Vitals und niedrigere Rankings. Mehr im Lexikon-Eintrag zu Mobile First.
15. Core Web Vitals zielen auf grün. LCP unter 2,5s, INP unter 200ms, CLS unter 0,1. Vor jedem Page-Type Lighthouse-Test in der Entwicklung, nicht erst nach Launch.
16. Bilder optimieren (WebP, responsive, Lazy). Hero-Bild mit priority-Prop für LCP. Alle anderen mit lazy-Loading. Format WebP oder AVIF, srcset für mehrere Auflösungen.
17. Schema.org JSON-LD pro Page-Type. LocalBusiness auf Layout-Ebene, BlogPosting auf Artikel-Pages, Service auf Money-Pages, FAQPage nur auf Info-Pages. Validierung mit Google Rich Results Test.
18. Interne Verlinkung in den Templates verankern. Cluster-Logik: Pillar-Pages linken auf Spoke-Pages, Spoke-Pages linken zurück. Footer-Links, Sidebar-Cross-Links, In-Content-Links systematisch.
19. Sitemap und robots.txt vorbereiten. sitemap.xml mit allen neuen URLs, robots.txt erlaubt Crawl, blockt nicht versehentlich wichtige Pfade.
Phase 4: Pre-Launch (Wochen 9-10)
20. 301-Redirect-Liste finalisieren. Aus dem URL-Mapping eine Liste aller Permanent-Redirects. Pro Redirect-Eintrag testen, ob die Ziel-URL existiert und 200 zurückgibt.
21. Staging-Site komplettem QA-Audit unterziehen. Screaming-Frog-Crawl, Lighthouse pro Page-Type, manuelle Tests aller wichtigen User-Flows. Mindestens 24 Stunden Test vor Go-Live.
22. Backup der alten Site. Datenbank, Files, Mailbox. Pflicht, falls der Launch rückgängig gemacht werden muss.
23. Search Console für neue Property einrichten (falls Domain-Wechsel). Bei Domain-Wechsel: alte Property behalten, neue parallel anlegen, Property-Move via Search Console-Tool nach Launch.
24. Analytics-Setup übertragen. GA4-Property, Tag Manager, Conversion-Goals. Vor Launch, damit ab Sekunde 1 Tracking läuft.
25. Kommunikation an Stakeholder. Wann ist Go-Live, was kann passieren, wer ist Ansprechpartner bei Problemen. Plus Hinweis an Kunden in Newsletter oder Social: "Wir launchen am X, Site kann kurzzeitig anders aussehen."
Phase 5: Go-Live (Tag 1)
26. Staging-noindex auf Production prüfen. Erste Pflicht-Aktion nach Live-Schalten: meta robots prüfen, robots.txt prüfen, sicherstellen, dass die Site indexierbar ist.
27. Sitemap in Search Console einreichen. Plus IndexNow-Ping für schnellere Indexierung neuer URLs.
28. 301-Redirects testen. Aus der URL-Mapping-Liste 20-30 Stichproben manuell testen. Status 301, Ziel-URL antwortet 200, keine Redirect-Chains.
Phase 6: Post-Launch (Wochen 10-16)
29. Indexierungs-Monitoring 4-8 Wochen. Search Console täglich prüfen: Indexierte URLs, neue Crawl-Fehler, Coverage-Probleme. Quick-Reaction bei plötzlichem Drop.
30. Ranking-Recovery messen. Erste 2-4 Wochen normal: leichte Schwankungen, weil Google neu bewertet. Nach 6-8 Wochen sollte Performance auf Baseline-Niveau oder besser sein. Wenn nicht: Audit, was fehlt aus den 30 Punkten dieser Liste.
Häufigste Fehler beim Relaunch
Fehler 1: Kein URL-Mapping. Alle alten URLs werden auf Startseite redirected. Effekt: 70-90 Prozent Rankings weg, weil Google die Relevanz verliert.
Fehler 2: Staging-noindex auf Production. Site wird nicht indexiert, Rankings verschwinden komplett. Passiert öfter als man denkt.
Fehler 3: Performance schlechter als alte Site. Page-Builder oder schwere Themes machen die neue Site langsamer. Google straft ab.
Fehler 4: Schema-Markup nicht migriert. Rich Results verschwinden, CTR sinkt, Rankings folgen.
Fehler 5: Content gekürzt ohne Backup. Gerankte Long-Tail-Pages weg, weil Content nicht in neue Struktur übernommen wurde.
Wann Sie unbedingt eine Agentur dazu holen sollten
Wenn die Site mehr als 50 indexierte URLs hat, mehr als 500 monatliche Klicks bringt oder Backlinks aus relevanten Quellen hat. Dann ist das Risiko bei selbstständigem Relaunch zu hoch. Wir machen bei PAKU Media in Bielefeld jeden Relaunch nach genau dieser Checkliste, plus eigenen QA-Workflow, plus 4-6 Wochen Post-Launch-Monitoring im Preis enthalten.
Fazit
Ein Website-Relaunch kann SEO zerstören oder nach vorne bringen. Der Unterschied liegt in der Vorbereitung. Wer die 30 Punkte systematisch abarbeitet, kommt sauber durch den Launch und sieht oft Ranking-Verbesserungen statt -Verlust. Wer mit der Tür ins Haus fällt, zahlt 6-12 Monate mit Traffic-Verlust. Die Checkliste ist nicht optional, sie ist die Versicherung für die Investition.
