INP steht für Interaction to Next Paint und ist seit März 2024 eine der drei Core Web Vitals, die Google als Ranking-Faktor nutzt. INP hat First Input Delay (FID) ersetzt, weil FID zu nachsichtig war und nur die erste Interaktion einer Session maß. INP misst alle Interaktionen und ist damit der realistischere Indikator dafür, wie reaktiv eine Website sich anfühlt. Wer in den Top-Rankings bleiben will, muss INP unter 200 Millisekunden halten. Das ist im modernen Webdesign mit Next.js machbar, bei vielen WordPress-Themes und Plugin-überladenen Sites aber eine echte Herausforderung.
Was INP konkret misst
Eine Nutzer-Interaktion besteht aus drei Phasen: Input-Delay (Zeit bis Event-Handler startet), Processing (JavaScript-Ausführung) und Presentation (nächster Frame wird gerendert). INP misst die gesamte Strecke. Pro Session werden alle Interaktionen erfasst, der angezeigte Wert ist die schlechteste Interaktion (bei wenigen Interaktionen) oder das 98. Perzentil (bei vielen). Das macht INP deutlich strenger als FID, weil eine einzelne langsame Interaktion ausreicht, um einen schlechten Wert zu erzeugen.
Schwellenwerte und Realität
Google bewertet INP wie folgt: gut unter 200ms, verbesserungswürdig 200-500ms, schlecht über 500ms. Diese Werte werden am 75. Perzentil gemessen, das heißt 75 Prozent der Nutzer müssen unter 200ms liegen. Studien aus 2024 zeigen, dass etwa 64 Prozent aller Websites diesen Wert noch nicht erreichen. Auf Mobile-Geräten ist es noch schwerer, weil ältere Smartphones schwächere CPUs haben und JavaScript-lastige Sites schneller in die Knie gehen.
Häufige INP-Killer
Erstens: zu viel Client-JavaScript. React-Apps, die alles im Browser rendern, haben oft schlechte INP-Werte. Server Components in Next.js verschieben Rendering auf den Server und schicken nur das Minimum an Client-JavaScript. Zweitens: Drittanbieter-Skripte. Google Tag Manager, Facebook Pixel, Chat-Widgets und Heatmap-Tools laufen alle auf dem Hauptthread und blockieren Interaktionen. Drittens: ineffiziente State-Updates. Wer in einem Click-Handler einen großen Komponenten-Baum re-rendert, ohne useMemo oder useTransition zu nutzen, blockiert den Browser.
INP messen
In Search Console findet sich der INP-Wert unter Core Web Vitals, gemessen aus echten Nutzer-Daten (Field-Daten). Lab-Tools wie Chrome DevTools Performance-Tab oder Lighthouse simulieren Interaktionen, sind aber weniger aussagekräftig. Für kontinuierliches Monitoring lohnt sich die web-vitals JavaScript-Library, die INP direkt vom Nutzer an ein Analytics-Tool sendet. Damit erkennt man Performance-Regressionen, bevor sie ins Ranking durchschlagen.
INP-Optimierung in der Praxis
Vier konkrete Maßnahmen: Erstens, JavaScript-Bundle-Size reduzieren. Tools wie webpack-bundle-analyzer zeigen, welche Pakete unnötig groß sind. Zweitens, Long Tasks splitten. Funktionen über 50ms Laufzeit gehören in setTimeout oder React.startTransition verlagert. Drittens, Drittanbieter lazy laden. Tag Manager und Tracking-Pixel erst nach requestIdleCallback initialisieren. Viertens, Server Components bevorzugen. Bei Webdesign-Projekten in Bielefeld bauen wir mit Next.js Server Components und reduzieren das Client-JavaScript auf ein Minimum. Das schafft INP-Werte unter 100ms, weit unter Googles Schwelle.
INP in WordPress vs. Next.js
WordPress-Sites haben strukturell schlechtere INP-Werte als moderne JavaScript-Frameworks. Der Grund: WordPress lädt alle Plugins, Themes und Drittanbieter-Skripte unabhängig voneinander, ohne zentrale Performance-Steuerung. Page-Builder wie Elementor oder Divi vergrößern das Problem, weil sie auf Client-JavaScript für Rendering setzen. In unseren Webdesign-Projekten in OWL erleben wir typische WordPress-INP-Werte zwischen 300 und 700ms, Next.js-Projekte liegen meist unter 150ms. Wer ernsthaft auf Mobile-Rankings optimiert, sollte beim Tech-Stack-Entscheid an die INP-Wirkung denken.
INP und Conversion-Rate
INP ist nicht nur SEO-relevant, sondern direkt Conversion-relevant. Studien aus 2024 zeigen: Eine Verschlechterung von 200ms auf 500ms INP senkt die Conversion-Rate um durchschnittlich 7 Prozent. Nutzer kommunizieren das nicht aktiv, sie brechen einfach ab. Auf E-Commerce-Sites mit komplexen Checkout-Flows summiert sich der Effekt schnell auf vierstellige Beträge pro Monat. Investitionen in INP-Optimierung amortisieren sich oft schon im ersten Quartal.