Es ist ein Montagmorgen. Sie öffnen Ihre Analytics und trauen Ihren Augen nicht: Der organische Traffic ist um 40 Prozent eingebrochen. Über das Wochenende. Ohne dass Sie irgendetwas an Ihrer Website verändert haben. Was ist passiert? Google hat ein Core Update ausgerollt.
Dieses Szenario erleben Tausende von Website-Betreibern mehrmals im Jahr. Google Core Updates sind die größten und folgenreichsten Algorithmus-Änderungen, die Google vornimmt. Sie können Rankings über Nacht verändern — nach oben wie nach unten.
In diesem Artikel erklären wir, was Core Updates sind, wie sie funktionieren und — am wichtigsten — was Sie tun können, um auf der sicheren Seite zu bleiben.
Was ist ein Google Core Update?
Google verbessert seinen Suchalgorithmus kontinuierlich. Im Durchschnitt nimmt Google pro Jahr über 4.000 Änderungen vor — die meisten davon sind so klein, dass sie niemandem auffallen. Ein Core Update ist anders.
Core Update vs. normale Updates
Normale Updates betreffen einzelne Aspekte des Algorithmus: Spam-Erkennung, die Bewertung von Links, die Verarbeitung bestimmter Suchanfragen. Sie sind fokussiert und betreffen selten die breite Masse.
Core Updates verändern die grundlegende Art und Weise, wie Google Inhalte bewertet und gewichtet. Sie betreffen den Kern des Algorithmus — daher der Name. Die Auswirkungen sind breit gefächert und können jede Website in jedem Themenbereich betreffen.
Wie oft kommen Core Updates?
Google veröffentlicht typischerweise 3 bis 5 Core Updates pro Jahr. Jedes Update wird vorab auf dem Google Search Central Blog angekündigt und über Twitter/X kommuniziert. Der Rollout dauert in der Regel 1 bis 2 Wochen.
Jüngste Core Updates (Auswahl):
- November 2025 Core Update
- August 2025 Core Update (mit Fokus auf Scaled Content Abuse)
- März 2025 Core Update
- November 2024 Core Update
- August 2024 Core Update
Wie ein Core Update Ihre Rankings beeinflusst
Google nutzt eine Analogie, die es selbst veröffentlicht hat: Stellen Sie sich vor, Sie erstellen 2020 eine Liste der 100 besten Filme aller Zeiten. 2026 aktualisieren Sie die Liste. Es gibt neue Filme, die es in die Liste schaffen. Manche älteren Filme rutschen ab. Das bedeutet nicht, dass die abgerutschten Filme plötzlich schlecht sind — die Maßstäbe und das Angebot haben sich verändert.
Gewinner und Verlierer
Bei jedem Core Update gibt es Websites, die gewinnen, und Websites, die verlieren. Aber "verlieren" bedeutet nicht automatisch, dass etwas falsch gemacht wurde. Manchmal bedeutet es einfach, dass andere Websites es jetzt besser machen.
Typische Gewinner:
- Websites mit tiefgreifendem, aktuellem Content
- Websites mit starken E-E-A-T-Signalen
- Websites mit hervorragender Nutzererfahrung
- Websites, die ihre Inhalte regelmäßig aktualisieren
Typische Verlierer:
- Websites mit dünnem, oberflächlichem Content
- Websites mit veralteten Informationen
- Websites ohne erkennbare Expertise oder Autorität
- Websites mit schlechter technischer Performance
E-E-A-T: Der rote Faden aller Core Updates
Seit dem Helpful Content Update (2022) und den nachfolgenden Core Updates zeichnet sich ein klarer Trend ab: Google bewertet die Qualität und Vertrauenswürdigkeit von Inhalten immer stärker. Das Framework dafür heißt E-E-A-T.
Experience (Erfahrung)
Verfügt der Autor über praktische Erfahrung mit dem Thema? Ein Reiseblog, der von jemandem geschrieben wird, der die Orte tatsächlich besucht hat, wird höher bewertet als ein zusammenrecherchierter Text ohne persönliche Erfahrung.
Für Ihre Website: Zeigen Sie Ihre Erfahrung. Fallstudien, Projektbeispiele, Fotos von echten Arbeiten, persönliche Einblicke — alles, was beweist, dass Sie wissen, wovon Sie reden.
Expertise (Fachwissen)
Hat der Autor oder die Organisation das nötige Fachwissen? Medizinische Inhalte von einem Arzt werden anders bewertet als von einem Laien.
Für Ihre Website: Autorenprofile mit Qualifikationen, Fachbeiträge mit Tiefgang, Verlinkung auf offizielle Quellen, strukturierte Daten mit Autoreninformationen.
Authoritativeness (Autorität)
Wird der Autor oder die Website als Autorität in ihrem Fachgebiet anerkannt? Backlinks von relevanten Websites, Erwähnungen in Fachmedien und Zitationen sind Signale dafür.
Für Ihre Website: Gastbeiträge auf Fachportalen, Presseerwähnungen, Partnerschaften, aktive Teilnahme an Branchenveranstaltungen.
Trustworthiness (Vertrauenswürdigkeit)
Ist die Website vertrauenswürdig? Gibt es ein Impressum, eine Datenschutzerklärung, HTTPS, klare Kontaktinformationen?
Für Ihre Website: Vollständiges Impressum, transparente Preise, Kundenbewertungen, SSL-Zertifikat, erreichbare Kontaktmöglichkeiten.
Was tun, wenn ein Core Update Sie getroffen hat?
Schritt 1: Ruhe bewahren und abwarten
Der Rollout eines Core Updates dauert 1 bis 2 Wochen. Während dieser Phase schwanken die Rankings stark. Manche Verluste korrigieren sich von selbst, wenn der Rollout abgeschlossen ist. Machen Sie keine übereilten Änderungen.
Schritt 2: Daten sammeln
Nach Abschluss des Rollouts analysieren Sie:
- Welche Seiten haben Traffic verloren? (Google Search Console, Analytics)
- Welche Keywords sind betroffen? (Positionen vorher vs. nachher)
- Welche Seiten ranken jetzt an Ihrer Stelle? (SERP-Analyse)
- Gibt es ein Muster? (Bestimmte Seitentypen, Themen, Content-Formate)
Schritt 3: Konkurrenzanalyse
Schauen Sie sich die Seiten an, die jetzt besser ranken als Sie. Was machen sie anders?
- Mehr Tiefe und Detail?
- Aktuellere Informationen?
- Bessere Autorenprofile?
- Mehr externe Verlinkungen?
- Bessere Nutzererfahrung?
Schritt 4: Verbesserungen umsetzen
Basierend auf Ihrer Analyse verbessern Sie die betroffenen Seiten gezielt:
- Content aktualisieren: Veraltete Informationen ersetzen, Tiefe hinzufügen
- E-E-A-T stärken: Autorenprofile, Quellenangaben, Praxisbeispiele
- UX verbessern: Ladezeiten, Lesbarkeit, Struktur
- Interne Verlinkung: Stärken Sie betroffene Seiten durch Links von starken Seiten
Schritt 5: Geduld haben
Verbesserungen zeigen sich oft erst beim nächsten Core Update — das kann Monate dauern. Google bewertet die Gesamtqualität einer Website nicht in Echtzeit. Kontinuierliche Verbesserung ist der Schlüssel, nicht einzelne Aktionen.
Die Content-Qualitätsfragen von Google
Google hat eine offizielle Liste von Fragen veröffentlicht, die Sie sich stellen sollten, wenn ein Core Update Ihre Website betrifft. Hier die wichtigsten:
Über den Inhalt
- Bieten Ihre Inhalte originelle Informationen, Recherche, Analysen?
- Bieten Sie eine substantielle, vollständige Beschreibung des Themas?
- Bieten Sie aufschlussreiche Analysen oder interessante Informationen, die über das Offensichtliche hinausgehen?
- Würden Sie diese Seite als Lesezeichen speichern, mit einem Freund teilen oder empfehlen?
Über die Expertise
- Wurde der Inhalt von einem Experten oder Enthusiasten erstellt, der das Thema nachweislich kennt?
- Enthält der Inhalt leicht überprüfbare Fehler?
- Würden Sie diesem Inhalt in Fragen vertrauen, die Ihre Gesundheit oder Finanzen betreffen?
Über die Präsentation
- Ist der Inhalt frei von Rechtschreib- und Stilfehlern?
- Wurde der Inhalt sorgfältig erstellt oder wirkt er hastig produziert?
- Wird der Inhalt auf einer übermäßigen Anzahl von Seiten produziert, sodass einzelne Seiten weniger Aufmerksamkeit erhalten?
Über die Vergleichbarkeit
- Bieten Sie einen erheblichen Mehrwert im Vergleich zu anderen Seiten in den Suchergebnissen?
- Dient der Inhalt den echten Interessen der Besucher, oder wird er primär erstellt, um in Suchmaschinen gut zu ranken?
Proaktive Strategien: Vor dem nächsten Update
Content-Audit durchführen
Gehen Sie alle Ihre Inhalte durch und bewerten Sie sie ehrlich:
- Behalten: Hochwertige, aktuelle Inhalte, die Traffic bringen
- Aktualisieren: Gute Grundlage, aber veraltete Informationen oder zu wenig Tiefe
- Zusammenführen: Mehrere dünne Artikel zum selben Thema zu einem umfassenden Artikel konsolidieren
- Entfernen: Inhalte ohne Mehrwert, die die Gesamtqualität Ihrer Website senken
Topical Authority aufbauen
Google bevorzugt Websites, die ein Thema umfassend abdecken. Statt einzelner Artikel zu zufälligen Themen sollten Sie Themenkompetenz aufbauen: einen zentralen Pillar-Artikel, umgeben von spezifischen Cluster-Artikeln, die alle miteinander verlinkt sind.
Technische Grundlagen sicherstellen
Kein Core Update hat je eine technisch schlechte Website nach oben gebracht. Stellen Sie sicher:
- Core Web Vitals bestanden
- Mobile-First-optimiert
- Saubere URL-Struktur
- Kein Duplicate Content
- Aktuelle Sitemap und robots.txt
- HTTPS auf allen Seiten
Diversifizierung Ihrer Traffic-Quellen
Die beste Absicherung gegen Core Updates ist die Unabhängigkeit von Google. Wenn 90 Prozent Ihres Traffics von Google kommen, trifft Sie jedes Update mit voller Wucht. Bauen Sie alternative Kanäle auf:
- E-Mail Marketing (Ihre eigene Liste)
- Social Media (mit eigener Community)
- Direkter Traffic (starke Marke)
- Referral-Traffic (Branchenportale, Partnerschaften)
Was Google mit Core Updates bezweckt
Es ist hilfreich, die Perspektive von Google zu verstehen. Googles Geschäftsmodell basiert darauf, die besten Suchergebnisse zu liefern. Wenn Nutzer bei Google nicht finden, was sie suchen, wechseln sie zu Bing, ChatGPT oder Perplexity.
Core Updates sind Googles Werkzeug, um die Qualität der Suchergebnisse zu verbessern. Das Ziel ist nicht, bestimmte Websites zu bestrafen — das Ziel ist, den Nutzern die bestmöglichen Ergebnisse zu zeigen.
Der Trend der letzten Jahre
Wenn man die Core Updates der letzten drei Jahre betrachtet, zeichnet sich ein klares Bild ab:
- 2024: Fokus auf Helpful Content. Websites, die primär für Suchmaschinen statt für Menschen geschrieben haben, wurden abgewertet.
- 2025: Fokus auf Scaled Content Abuse. KI-generierte Inhalte ohne Mehrwert und massenproduzierte Seiten wurden gezielt abgewertet.
- 2026: Fokus auf Authentizität und echte Expertise. Inhalte mit nachweisbarer Erfahrung und echtem Fachwissen werden bevorzugt.
Die KI-Frage: Schadet KI-generierter Content?
Google hat klargestellt: KI-generierter Content ist nicht per se verboten. Aber KI-generierter Content ohne Mehrwert, ohne menschliche Überprüfung und ohne echte Expertise fällt unter "Scaled Content Abuse" — und wird abgestraft.
Die Grenze
- Erlaubt: KI als Werkzeug nutzen, Inhalte menschlich überprüfen, eigene Expertise einbringen, echten Mehrwert schaffen
- Problematisch: Hunderte KI-Artikel ohne Überarbeitung veröffentlichen, generische Inhalte in Masse produzieren, KI-Texte als menschliche Expertise ausgeben
Die Faustregel: Wenn ein Mensch Ihren Content liest und spürt, dass hier echtes Wissen, echte Erfahrung und echte Sorgfalt eingeflossen ist — dann ist es guter Content. Unabhängig davon, ob eine KI bei der Erstellung geholfen hat.
Monitoring: Core Updates nicht verpassen
Informationsquellen
- Google Search Central Blog: Offizielle Ankündigungen
- Google SearchLiaison (Twitter/X): Danny Sullivan kommuniziert Updates in Echtzeit
- SEO-Newsletters: Search Engine Journal, Search Engine Land, SEO Südwest (DACH)
- Tools: SEMrush Sensor, Sistrix Sichtbarkeitsindex, Ahrefs Rank Tracker
Eigenes Monitoring einrichten
- Wöchentlich: Rankings der wichtigsten Keywords prüfen
- Monatlich: Organischen Traffic-Trend analysieren
- Nach jedem Core Update: Detaillierte Analyse der betroffenen Seiten
- Jährlich: Umfassender Content-Audit
Fazit
Google Core Updates sind keine Naturkatastrophen. Sie sind vorhersehbare Veränderungen in einem sich entwickelnden System. Wer hochwertige Inhalte erstellt, seine Website technisch pflegt und echte Expertise zeigt, hat bei den meisten Core Updates nichts zu befürchten — oder profitiert sogar davon.
Die beste Strategie gegen Core Updates ist keine Strategie gegen Core Updates. Es ist eine Strategie für die Nutzer Ihrer Website. Erstellen Sie Inhalte, die Menschen wirklich helfen. Bieten Sie Erfahrungen, die Vertrauen schaffen. Und bauen Sie eine Website, die technisch so solide ist, dass Google sie problemlos verstehen und einordnen kann.
Denn am Ende wollen Google und Sie dasselbe: dass der richtige Mensch die richtige Antwort findet.