Sie haben sich entschieden: Ihre Firma bekommt eine neue Website. Sie kontaktieren eine Agentur und die erste Frage lautet: "Haben Sie ein Briefing?"
Wenn Sie jetzt ins Stocken geraten, sind Sie nicht allein. Die meisten Unternehmer wissen nicht genau, was in ein Webdesign-Briefing gehört. Und viele Agenturen versaeumen es, die richtigen Fragen zu stellen.
Das Ergebnis: wochenlange Korrekturschleifen, steigende Kosten und am Ende eine Website, die niemanden so richtig zufriedenstellt.
Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie ein Briefing erstellen, das funktioniert, Schritt für Schritt, mit konkreten Beispielen und einer Vorlage, die Sie sofort einsetzen können.
Warum ein gutes Briefing so wichtig ist
Stellen Sie sich vor, Sie beauftragen einen Architekten mit einem Haus, sagen aber nur: "Es soll schön werden und ein Dach haben." Das Ergebnis wird Sie nicht gluecklich machen.
Bei Websites ist es genauso. Ein Briefing ist der Bauplan für Ihr Webprojekt. Je praeziser es ist, desto weniger Missverstaendnisse gibt es, desto weniger Korrekturschleifen brauchen Sie, und desto besser wird das Ergebnis.
Was ein Briefing leistet
- Es zwingt Sie, Ihre eigenen Ziele klar zu formulieren
- Es gibt der Agentur eine verbindliche Arbeitsgrundlage
- Es reduziert Korrekturschleifen um bis zu 40 %
- Es schuetzt beide Seiten vor Scope Creep (unkontrolliertem Wachstum des Projektumfangs)
- Es macht das Ergebnis messbar
Teil 1: Unternehmen und Ausgangslage
Wer sind Sie?
Beginnen Sie mit dem Offensichtlichen. Auch wenn Ihre Agentur Sie schon kennt, schreiben Sie es auf:
- Firmenname und Rechtsform: Pamuk und Kuscu GbR
- Branche: Kreativagentur
- Gruendungsjahr: 2014
- Standort(e): Bielefeld
- Anzahl Mitarbeiter: Wichtig für die Groesseneinordnung
- Kernleistungen: Was bieten Sie an? In 2-3 Saetzen.
Ihre Corporate Identity
Falls vorhanden, liefern Sie mit:
- Logo-Dateien (als Vektorgrafik, idealerweise SVG oder AI)
- Farbcodes (HEX, RGB)
- Schriftarten
- Styleguide oder Brand Manual
- Bestehende Marketingmaterialien als Referenz
Falls Sie keine Corporate Identity haben, ist das kein Problem. Teilen Sie der Agentur mit, welche Farben und Stile Ihnen gefallen. Ein Moodboard mit Screenshots von Websites, die Ihnen zusagen, hilft enorm.
Die aktuelle Situation
- Haben Sie bereits eine Website? Wenn ja: Was funktioniert? Was nicht?
- Warum eine neue Website? Relaunch, Neugruendung, neues Geschaeftsfeld?
- Was hat bisher nicht funktioniert? Zu wenig Anfragen, veraltetes Design, schlechte Auffindbarkeit bei Google?
Seien Sie ehrlich. Je besser die Agentur Ihre Ausgangslage versteht, desto gezielter kann sie arbeiten.
Teil 2: Ziele und Zielgruppe
Was soll die Website erreichen?
"Eine schoene Website" ist kein Ziel. Konkrete Ziele sind:
- Mehr Anfragen: "Wir wollen die monatlichen Kontaktanfragen von 5 auf 20 steigern."
- Sichtbarkeit: "Wir wollen für 'Webdesign Bielefeld' auf Seite 1 bei Google erscheinen."
- Professionalitaet: "Unsere Website soll unser Qualitaetsniveau widerspiegeln."
- Mitarbeitergewinnung: "Wir wollen über die Website auch Fachkraefte ansprechen."
Definieren Sie maximal drei Hauptziele. Alles, was die Website tut, sollte auf diese Ziele einzahlen.
Wen wollen Sie erreichen?
Beschreiben Sie Ihre Zielgruppe so konkret wie möglich. Eine Persona hilft dabei:
- Alter und Geschlecht: z. B. Geschäftsführer, 35-55 Jahre
- Position und Entscheidungskompetenz: Wer entscheidet über die Beauftragung?
- Beduerfnisse und Schmerzpunkte: Was sucht Ihre Zielgruppe? Was haelt sie nachts wach?
- Online-Verhalten: Wo sucht sie? Google, Social Media, Branchenverzeichnisse?
- Einwaende: Welche Zweifel hat sie, bevor sie Sie kontaktiert?
Je besser Sie Ihre Zielgruppe kennen, desto besser kann das Design auf sie zugeschnitten werden.
Teil 3: Inhalte und Seitenstruktur
Welche Seiten brauchen Sie?
Listen Sie alle gewuenschten Seiten auf. Eine typische Unternehmenswebsite umfasst:
- Startseite
- Über uns / Team
- Leistungen (Übersicht + Einzelseiten)
- Referenzen / Portfolio
- Blog / Ratgeber (optional, aber empfehlenswert für SEO)
- Kontakt
- Impressum und Datenschutz
Für jede Seite sollten Sie festlegen: Was ist das Ziel dieser Seite? Welche Aktion soll der Besucher ausfuehren?
Wer liefert die Inhalte?
Das ist eine der wichtigsten Fragen, und die, die am häufigsten vergessen wird.
- Texte: Schreiben Sie selbst? Liefert die Agentur? Brauchen Sie einen Texter?
- Bilder: Haben Sie professionelle Fotos? Brauchen Sie ein Shooting?
- Videos: Sollen Videos eingebunden werden?
- Referenzen/Case Studies: Welche Projekte wollen Sie zeigen?
Die Inhaltsfrage entscheidet oft über den Zeitplan. Websites scheitern selten am Design, sie scheitern daran, dass die Inhalte fehlen.
Bestehende Inhalte
Falls Sie eine bestehende Website haben: Welche Inhalte sollen uebernommen werden? Was soll neu geschrieben werden? Gibt es Inhalte, die definitiv nicht mehr passen?
Ein Content Audit der bestehenden Seite ist oft der beste Startpunkt.
Teil 4: Design und Funktionalitaet
Designvorstellungen
Hier wird es subjektiv, und genau deshalb ist Präzision wichtig. "Modern und professionell" sagt alles und nichts. Besser:
- Referenzwebsites: 3-5 Links zu Websites, die Ihnen gefallen, mit Erklärung, was genau Ihnen daran gefaellt (Layout, Farben, Typografie, Stimmung)
- Anti-Referenzen: Websites, die Ihnen nicht gefallen, ebenso wichtig
- Stimmung: Serioes und zurueckhaltend? Mutig und laut? Warm und einladend?
- Farben: Wenn Sie keine CI haben: Welche Farben passen zu Ihrer Branche und Ihrem Angebot?
Ein visuelles Moodboard, auch wenn es nur eine Sammlung von Screenshots ist, sagt mehr als tausend Worte.
Gewuenschte Funktionen
Listen Sie alle Funktionalitaeten auf, die Ihre Website haben soll:
- Kontaktformular (einfach oder mehrstufig?)
- Online-Terminbuchung
- Blog / News-Bereich
- Newsletter-Anmeldung
- Social-Media-Integration
- Mehrsprachigkeit (DE/EN?)
- Suchfunktion
- CMS für eigenständige Inhaltspflege
- Cookie-Banner (DSGVO-konform)
- Analytics-Anbindung
Unterscheiden Sie dabei zwischen "Muss haben" und "Waere schön". Das hilft bei der Budgetplanung.
Technische Anforderungen
Falls Sie spezifische technische Wuensche haben, gehören sie ins Briefing:
- Bevorzugtes CMS oder Framework (WordPress, Next.js, etc.)
- Bestehende Systeme, die angebunden werden müssen (CRM, ERP, Buchungssysteme)
- Hosting-Anforderungen
- Performance-Ziele (z. B. Core Web Vitals bestehen)
- SEO-Anforderungen
Wenn Sie technisch nicht firm sind: Kein Problem. Eine gute Agentur wird die richtigen Empfehlungen aussprechen.
Teil 5: Budget und Zeitplan
Budget
Viele Auftraggeber scheuen sich, ein Budget zu nennen. Das ist nachvollziehbar, aber kontraproduktiv. Wenn die Agentur weiss, dass Ihr Budget bei 5.000 Euro liegt, wird sie ein anderes Konzept vorschlagen als bei 20.000 Euro.
Unser Rat: Nennen Sie zumindest eine Spanne. Das schuetzt beide Seiten vor Enttaeuschungen.
Zeitplan
Definieren Sie:
- Wunsch-Livegang: Wann soll die Website online sein?
- Feste Deadlines: Gibt es Events, Messen oder Launches, die den Zeitplan bestimmen?
- Verfügbarkeit: Wann können Sie Feedback geben? Wie schnell?
- Entscheidungswege: Wer gibt das finale Go? Wie viele Personen müssen zustimmen?
Realismus ist hier wichtig. Eine professionelle Website braucht typischerweise 6 bis 12 Wochen, von Briefing bis Livegang.
Die Vorlage: Ihr Briefing in 10 Punkten
Hier ist die komprimierte Vorlage, die Sie für Ihr naechstes Webprojekt verwenden können:
1. Unternehmensprofil: Name, Branche, Gruendung, Standort, Leistungen, USP
2. Ausgangslage: Aktuelle Website (falls vorhanden), Grund für den Relaunch/Neubau, bisherige Probleme
3. Ziele: Maximal 3 konkrete, messbare Ziele
4. Zielgruppe: Wer soll die Website nutzen? Demografisch, psychografisch, Verhalten
5. Seitenstruktur: Alle gewuenschten Seiten mit Kurzbeschreibung
6. Inhalte: Wer liefert Texte, Bilder, Videos? Was existiert bereits?
7. Designvorstellungen: Referenzwebsites, Stimmung, Corporate Identity
8. Funktionen: Must-haves und Nice-to-haves
9. Budget: Zumindest eine Spanne
10. Zeitplan: Wunsch-Livegang, Deadlines, Entscheidungswege
Typische Fehler in Webdesign-Briefings
Zu vage bleiben
"Wir wollen eine moderne Website" hilft niemandem. Was bedeutet "modern" für Sie? Zeigen Sie Beispiele. Werden Sie konkret.
Zu viel auf einmal wollen
Ein Briefing mit 47 Wuenschen führt zu einer ueberladenen Website. Priorisieren Sie. Was ist wirklich wichtig für den Launch? Was kann in einer zweiten Phase folgen?
Die Zielgruppe vergessen
Viele Briefings beschreiben ausführlich, was das Unternehmen will, aber nicht, was der Nutzer braucht. Gutes UX-Design beginnt beim Nutzer, nicht beim Auftraggeber.
Kein Budget nennen
Wenn Sie kein Budget nennen, riskieren Sie Angebote, die entweder zu teuer oder zu billig für Ihre Erwartungen sind. Transparenz spart beiden Seiten Zeit.
Inhalte nicht einplanen
Die häufigste Ursache für Projektverzoegerungen: fehlende Inhalte. Planen Sie von Anfang an ein, wer welche Texte und Bilder bis wann liefert.
Wie PAKU Media mit Briefings arbeitet
Bei PAKU Media starten wir jedes Projekt mit einem strukturierten Briefing-Gespräch. Wir stellen die richtigen Fragen, helfen Ihnen bei der Formulierung Ihrer Ziele und erstellen auf dieser Basis ein Konzept, das sitzt.
Unser Prozess:
- Briefing-Gespräch (30-60 Minuten, kostenlos)
- Konzept und Wireframes auf Basis des Briefings
- Design-Entwurf mit Feedback-Schleife
- Entwicklung mit Zwischenpraesentation
- Launch mit Einweisung und Uebergabe
Das Briefing ist dabei kein buerokratischer Akt, es ist der Moment, in dem wir verstehen, was Sie wirklich brauchen. Und das ist die Grundlage für eine Website, die liefert.
Fazit
Ein gutes Webdesign-Briefing ist keine Pflichtaufgabe, die Sie schnell abhaken. Es ist die Investition, die den gesamten Projekterfolg bestimmt. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihre Ziele klar zu formulieren, Ihre Zielgruppe zu beschreiben und Ihre Erwartungen realistisch zu setzen.
Und wenn Sie nicht wissen, wo Sie anfangen sollen: Nehmen Sie die Vorlage aus diesem Artikel, fuellen Sie aus, was Sie können, und bringen Sie den Rest ins Gespräch mit Ihrer Agentur. Ein guter Partner wird die Luecken gemeinsam mit Ihnen fuellen.