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Home/Lexikon/Customer Journey
Marketing

Customer Journey

Zuletzt aktualisiert: 2026-03-29

Die Customer Journey – auf Deutsch auch Kundenreise – beschreibt den gesamten Weg, den ein potenzieller Kunde von der ersten Wahrnehmung einer Marke bis zur Kaufentscheidung und darüber hinaus zurücklegt. Sie umfasst alle Berührungspunkte (Touchpoints) zwischen Kunde und Unternehmen, über alle Kanäle, Geräte und Zeiträume.

Das Konzept der Customer Journey ist fundamentaler Bestandteil moderner Marketing-Strategie. Es ermöglicht, die eigene Kommunikation aus der Perspektive des Kunden zu betrachten – nicht aus der des Unternehmens. Was fühlt der Kunde in jeder Phase? Welche Fragen hat er? Welche Hindernisse begegnen ihm? Wer diese Fragen beantwortet, kann Touchpoints gezielt gestalten und den Weg zur Conversion ebnen.

Die Phasen der Customer Journey

Während verschiedene Modelle unterschiedliche Phasen definieren, hat sich ein fünfstufiges Modell in der Marketingpraxis bewährt.

Phase 1: Awareness (Bewusstsein)

In dieser Phase erkennt der potenzielle Kunde ein Bedürfnis oder Problem – oder wird auf eine Marke aufmerksam, die dieses Bedürfnis adressieren könnte.

Kundenperspektive:

  • „Ich habe ein Problem / ein Bedürfnis."
  • „Ich habe von diesem Unternehmen gehört, bin aber noch nicht wirklich interessiert."
  • „Ich suche allgemein nach Informationen zu diesem Thema."

Relevante Touchpoints:

  • Organische Suche (informationsorientierte Keywords)
  • Social Media (organisch und bezahlt)
  • Display-Anzeigen und Branded Content
  • Word-of-Mouth, Empfehlungen
  • Presse, PR, Influencer-Nennungen
  • Viral Marketing

Inhaltliche Anforderungen: Aufmerksamkeit erzeugen, Problembewusstsein schaffen, Markenbekanntheit aufbauen. Kein Verkaufsdruck – Mehrwert und Information stehen im Vordergrund.

Phase 2: Consideration (Erwägung)

Der Kunde weiß, was er sucht, und vergleicht verschiedene Optionen aktiv miteinander.

Kundenperspektive:

  • „Welche Anbieter gibt es?"
  • „Was unterscheidet diese Lösungen voneinander?"
  • „Erfüllt dieses Unternehmen meine spezifischen Anforderungen?"

Relevante Touchpoints:

  • Organische Suche (vergleichende und produktbezogene Keywords)
  • Website-Inhalt (Leistungsseiten, Über-uns, Blog)
  • Bewertungsplattformen (Google, Trustpilot, Kununu)
  • Retargeting-Anzeigen
  • Newsletter (erstes Opt-in)
  • Webinare, Demo-Videos

Inhaltliche Anforderungen: Vertrauen aufbauen, Differenzierung zeigen, Einwände präventiv adressieren. Case Studies und Testimonials sind in dieser Phase besonders wirkungsvoll.

Phase 3: Decision (Entscheidung)

Der Kunde ist bereit zu kaufen und entscheidet sich für eine spezifische Option.

Kundenperspektive:

  • „Soll ich jetzt kaufen?"
  • „Gibt es noch etwas, das mich davon abhält?"
  • „Welches Paket ist das richtige für mich?"

Relevante Touchpoints:

  • Produktseiten und Landingpages
  • Checkout-Prozess
  • Preisseiten und Vergleichstabellen
  • Telefonat / Chat mit Vertrieb
  • Angebote und Rabattcodes
  • Vertrauenssignale (Gütesiegel, Garantien, Rückgaberecht)

Inhaltliche Anforderungen: Reibungslosigkeit maximieren, Kaufzweifel ausräumen, Social Proof und Sicherheitsversprechen bieten. Jede Sekunde zusätzliche Ladezeit und jedes zusätzliche Formularfeld erhöht die Abbruchwahrscheinlichkeit.

Phase 4: Retention (Bindung)

Nach dem Kauf beginnt die Arbeit, den Kunden zu halten und den Customer Lifetime Value zu maximieren.

Kundenperspektive:

  • „War das die richtige Entscheidung?"
  • „Wie bekomme ich das Beste aus meinem Kauf?"
  • „Würde ich das wieder kaufen?"

Relevante Touchpoints:

  • Onboarding-E-Mails und -Guides
  • Produktnutzungs-Support (FAQ, Helpdesk, Tutorials)
  • Transaktions-E-Mails (Bestellbestätigung, Versandmeldung)
  • Re-Engagement-Kampagnen bei Inaktivität
  • Loyalty-Programme und Treueboni
  • Upselling und Cross-Selling

Inhaltliche Anforderungen: Buyer's Remorse (nachträgliche Kaufreue) verhindern, schnellen Mehrwert liefern, Nutzung erleichtern. Die erste Woche nach dem Kauf ist entscheidend für langfristige Bindung.

Phase 5: Advocacy (Fürsprache)

Der zufriedene Kunde wird zum Markenbotschafter und empfiehlt das Unternehmen aktiv weiter.

Kundenperspektive:

  • „Das war so gut, ich muss das weiterempfehlen."
  • „Ich bin stolz, Kunde hier zu sein."
  • „Ich identifiziere mich mit dieser Marke."

Relevante Touchpoints:

  • Bewertungsanfragen (Google, Trustpilot)
  • Referral-Programme
  • User Generated Content (Social Media)
  • Community-Teilnahme
  • Kundeninterviews und Case Studies

Inhaltliche Anforderungen: Empfehlungen aktiv anfragen, es einfach machen, zu teilen. Advocacy entsteht nicht von selbst – sie muss gefördert und ermöglicht werden.

Customer Journey Map erstellen

Die Customer Journey Map ist das visuelle Werkzeug, um die Customer Journey zu dokumentieren und zu analysieren.

Bestandteile einer Journey Map

ElementBeschreibung
PersonaFür wen gilt diese Journey? (Name, Rolle, Ziele, Ängste)
PhasenDie definierten Stufen der Reise
TouchpointsAlle Kontaktpunkte in jeder Phase
AktionenWas tut der Kunde in jeder Phase?
GedankenWas denkt der Kunde? Welche Fragen hat er?
GefühleEmotionale Kurve (Frustration, Begeisterung, Unsicherheit)
Pain PointsWo entstehen Reibungspunkte und Hindernisse?
OpportunitiesWo können wir das Erlebnis verbessern?
VerantwortlicheWelches Team/Kanal ist für diesen Touchpoint zuständig?

Datenquellen für die Journey Map

Eine gute Journey Map basiert auf Daten, nicht auf Annahmen:

Quantitative Quellen:

  • Web-Analytics (Google Analytics): Klickpfade, Einstiegs- und Ausstiegsseiten
  • Search-Console-Daten: Welche Keywords führen zu welchen Seiten?
  • CRM-Daten: Verkaufsprozess-Dauer, Touchpoint-Häufigkeit
  • E-Mail-Analytics: Öffnungs- und Klickraten nach Funnel-Phase

Qualitative Quellen:

  • Kundeninterviews (15–20 Gespräche liefern bereits starke Muster)
  • Support-Ticket-Analyse: Was fragen Kunden?
  • Net Promoter Score (NPS) und Kommentare
  • On-Site-Umfragen
  • Sales-Team-Insights aus Kundengesprächen

Omnichannel Customer Journey

Moderne Customer Journeys sind alles andere als linear. Kunden wechseln zwischen Kanälen und Geräten.

Kanalwechsel in der Praxis

Eine typische Reise könnte so aussehen:

  1. Instagram-Video → erste Awareness
  2. Google-Suche → Website-Besuch auf Mobilgerät
  3. Verlässt Website ohne Kauf
  4. Retargeting-Anzeige auf Facebook → zweiter Website-Besuch
  5. Google-Suche nach Bewertungen → Trustpilot-Profil gelesen
  6. Newsletter-Anmeldung für Rabattcode
  7. Kauf auf Desktop nach Erhalt des Rabattcodes

Welcher Kanal erhält die Conversion-Attribution? Das ist eine der zentralen Fragen des Marketing-Attributions-Managements.

Kanalübergreifende Konsistenz

Im Omnichannel-Marketing muss die Botschaft kanalübergreifend konsistent sein – aber für den Kontext des jeweiligen Kanals optimiert. Eine Person, die gerade ein YouTube-Video anschaut, hat andere Erwartungen als jemand, der aktiv auf Google sucht.

B2B vs. B2C Customer Journey

Unterschiede im Überblick

DimensionB2C-JourneyB2B-Journey
DauerMinuten bis WochenWochen bis Monate (6–18 Monate bei Enterprise)
Entscheidungsträger1 Person3–10 Stakeholder (Buying Committee)
EntscheidungslogikEmotional + rationalRational + ROI-getrieben
Wichtige InhalteReviews, Social Proof, VideoCase Studies, Whitepaper, ROI-Kalkulatoren, Demos
Wichtige KanäleSocial Media, Google, E-MailLinkedIn, Events, Direct Sales, Webinare
HauptangstFehlkauf, PreisFalsche Investitionsentscheidung, intern nicht vertretbar

B2B-spezifische Journey-Herausforderungen

Im B2B-Kontext ist das Buying Committee entscheidend: verschiedene Stakeholder (Entscheider, Beeinflusser, Nutzer, Einkauf) haben unterschiedliche Prioritäten und befinden sich in verschiedenen Phasen der Journey.

Praktische Implikation: B2B-Content muss verschiedene Persona adressieren:

  • CEO/Geschäftsführer: ROI und strategischer Nutzen
  • Fachbereichsleiter: Operative Vorteile und Effizienz
  • Einkauf: Konditionen, Zuverlässigkeit, Referenzen
  • IT/Technik: Sicherheit, Integration, Skalierbarkeit

Daten für die Customer Journey Analyse

Attribution Models

Welcher Touchpoint bekommt die Conversion-Gutschrift zugeschrieben?

Attribution-ModellLogikEinsatz
Last Click100 % letzter TouchpointEinfach, überschätzt Bottom-Funnel
First Click100 % erster TouchpointGut für Awareness-Messung
LinearGleichmäßig auf alle TouchpointsKonservativ, fair
Time DecayMehr Gewicht auf neuere TouchpointsKurze Sales Cycles
Datengetrieben (GA4)KI-basierte VerteilungGenaueste Methode (ab bestimmten Traffic-Mengen)

Datengetriebene Attribution in GA4 ist der empfohlene Standard für ausreichend Traffic – sie basiert auf tatsächlichen Konversionspfaden.


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FAQ's

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