Card Sorting ist eine bewährte UX-Research-Methode, die aufdeckt, wie Nutzer Inhalte mental gruppieren und kategorisieren. Die Erkenntnisse fließen direkt in die Informationsarchitektur einer Website ein und helfen, eine intuitive Navigation zu gestalten.
Wie funktioniert Card Sorting?
Beim Card Sorting erhalten Teilnehmer eine Reihe von Karten, auf denen jeweils ein Inhaltselement steht – z. B. „Preise", „Über uns", „Webdesign", „Kontakt". Die Teilnehmer ordnen diese Karten in Gruppen, die für sie Sinn ergeben. Aus den Ergebnissen vieler Teilnehmer entstehen Muster, die die optimale Struktur für Navigation und Seitenhierarchie offenbaren.
Arten von Card Sorting
Offenes Card Sorting
Teilnehmer erstellen eigene Kategorien und benennen sie selbst. Ideal, um zu verstehen, wie Nutzer Inhalte natürlich gruppieren. Liefert überraschende Erkenntnisse, die vom internen Denken der Organisation abweichen können.
Geschlossenes Card Sorting
Die Kategorien sind vorgegeben – Teilnehmer ordnen die Karten nur zu. Gut geeignet, um eine bestehende oder geplante Navigationsstruktur zu validieren.
Hybrides Card Sorting
Kombination beider Methoden: Kategorien sind vorgegeben, aber Teilnehmer können neue hinzufügen. Bietet sowohl Validierung als auch Raum für neue Erkenntnisse.
Card Sorting durchführen
Vorbereitung
Inhalte auf einzelne Karten schreiben (physisch oder digital). Jede Karte enthält einen klaren, verständlichen Begriff. 30-60 Karten sind ein guter Umfang.
Durchführung
Teilnehmer sortieren die Karten in Gruppen. Beim offenen Sorting benennen sie die Gruppen selbst. Think-Aloud ist hilfreich: Teilnehmer erklären ihre Gedanken beim Sortieren.
Auswertung
Ähnlichkeitsmatrizen und Dendrogramme visualisieren, welche Inhalte häufig zusammen gruppiert werden. Tools wie Optimal Workshop oder Maze bieten automatische Auswertungen.
Card Sorting und Navigationsdesign
Die Ergebnisse des Card Sortings fließen direkt in die Navigationsstruktur ein. Inhalte, die Nutzer häufig zusammen gruppieren, gehören in dieselbe Navigationskategorie. Kategorienamen, die Teilnehmer vergeben, sind oft bessere Navigationslabels als intern gewählte Begriffe.
Digitale Tools für Card Sorting
Physische Karten funktionieren bei Vor-Ort-Workshops. Für Remote-Tests bieten Tools wie Optimal Workshop, Maze und UserZoom digitale Card-Sorting-Oberflächen mit automatischer Auswertung.
Card Sorting im UX-Prozess
Card Sorting steht typischerweise am Anfang des UX-Prozesses, nach der Persona-Definition und vor dem Wireframing. Die Erkenntnisse informieren die Informationsarchitektur, die wiederum die Grundlage für User Flows und Navigation bildet.
Für professionelles UX-Design ist Card Sorting eine effiziente Methode, um eine nutzerzentrierte Navigation zu entwickeln, die nicht auf Annahmen, sondern auf echtem Nutzerverhalten basiert.